Mehr Pragmatismus, weniger Blockaden: Entwicklung Schweiz zeigt Wege aus der Wohnbaumisere
Rund 180 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Branche, Politik und Verwaltung kamen am 9. Juni 2026 zum Jahresanlass von Entwicklung Schweiz zusammen. Im Zentrum stand eine Frage, die für die Zukunft des Wohn- und Lebensraums Schweiz zentral ist: Wie lässt sich die ins Stocken geratene Bautätigkeit wieder ankurbeln? Durch den Abend führte – wie gewohnt souverän – Moderatorin Sonja Hasler.
Verbandspräsident Dr. iur. Martin Schmid, Ständerat (FDP/GR), eröffnete den Anlass mit einer Gesamtbeurteilung der aktuell nicht einfachen Ausgangslage. Sein Appell: Es brauche von allen Akteuren mehr Pragmatismus und weniger Blockaden, damit die notwendigen Reformen gemeinsam vorankommen.
Roman Mayer, Direktor des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE), beleuchtete in seinem Referat die Innenentwicklung, das Einspracherecht und weitere Herausforderungen der Raumplanung. Er stützte sich dabei unter anderem auf eine Studie von ARE und BWO aus dem Jahr 2025: Befragte aus Bauherrschaft, Entwicklung, Architektur und Recht bezeichnen Einsprachen (61 %) und Rekurse (60 %) als grösste Hürden bei der Bereitstellung von Wohnraum. Mayer skizzierte die geplanten Massnahmen des Bundes – vom gesetzlichen Verankern des Wohnungsbaus als nationales Interesse bis zur Einschränkung der Beschwerdelegitimation. Seine Ausführungen lösten kritische Nachfragen und eine engagierte Diskussion aus.
Im Gespräch mit Sonja Hasler stellte Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger (Die Mitte/LU) ihre beiden Vorstösse gegen missbräuchliche Einsprachen und Rekurse vor (Motionen 25.3972 und 25.3973). Beide wurden vom Ständerat angenommen und von der nationalrätlichen Kommission gutgeheissen; die Beratung im Nationalrat folgt am 18. Juni 2026.
Pascal Bärtschi (CEO Losinger Marazzi AG) und Donald Vogt (CEO Marti Gesamtleistungen AG), beide aus dem Vorstand von Entwicklung Schweiz, legten anschliessend die Position des Verbands dar. Das Policy Paper «Wohnbaumisere» bündelt fünf Kernforderungen: Denkmalschutz mit Augenmass, Fairness im Einspracherecht, ein modernes Raumplanungsgesetz, eine Sanierungsoffensive für Klima und Wohnraum sowie schlanke Verfahren statt Planungs-Marathon.
Die Gespräche auf und neben der Bühne verliefen lebhaft und durchaus kritisch – genau das, was es braucht, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Denn diese sind dringend nötig, wenn die Schweiz die Herausforderungen an ihren Wohn- und Lebensraum bewältigen will. Oder, wie es das Verbandspapier auf den Punkt bringt: Lasst uns bauen.